Auf Kulturspuren unterwegs - 100 Jahre Terpenonderzoek

Auf Kulturspuren unterwegs

von Petra Feil · 12. Oktober 2016 · 12:49 Uhr   

Wesselburen (rd) Zum 100-jährigen Bestehen besuchte die „Vereniging voor Terpenonderzoek“ - Vereinigung für Warftenuntersuchungen - mit wissenschaftlichen Experten aus den Niederlanden unter Leitung von Dr. Egge Knol vom Groninger Museum die Nordseeküste Schleswig-Holsteins.

Dr. habil. Dirk Meier, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungen in der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie, nahm die Gruppe auf der frühgeschichtlichen Dorfwurt Wesselburen in Empfang. „Ich freue mich, dass die niederländischen Kollegen nach Schleswig-Holstein kommen. Wir stehen seit fast 30 Jahren im regelmäßigen Kontakt“, sagte er. In Wesselburen besichtigte die Expertengruppe im Kohlosseum eine kleine Ausstellung zu den von Dirk Meier durchgeführten Ausgrabungen in Dithmarschen. 

Anschließend ging die Fahrt durch die jungen Köge Norderdithmarschens in das Büsumer Freilichtdeichmuseum und von dort zur Eidermündung. Über die Geschichte der Eider ist gerade von Dirk Meier im Boyens-Buchverlag ein umfangreiches Buch erschienen. Im nördlichen Eiderstedt studierten die niederländischen Kollegen mittelalterliche Siedlungsmuster und Warften.

In Husum übernachtete die Gruppe mit 34 Personen. Am nächsten Tag ging es mit einem Schiff zu einer Tagestour durch das nordfriesische Wattenmeer mit den Kulturspuren, über die Dirk Meier zusammen mit den Experten Dr. Hans Joachim Kühn und Prof. Dr. G. J. Borger aus Amsterdam, den Küstenatlas bei Boyens (2013) herausgegeben hat. Ziel war die Hallig Hooge, die wie andere Halligen auch über dem 1362 in der Ersten Großen Mandrenke untergegangenen Kulturland aufwuchs. Für manche Teilnehmer erfüllte sich ein Traum, einmal die Halligen zu sehen, deren Warften und Wirtschaft bereits Prof. Dr. Albert Egges van Giffen 1906 studiert hatte, bevor er die eisenzeitliche Terp (Wierde, Wurt) von Ezinge bei Groningen von 1923 bis 1934 ausgrub. Diese Ausgrabung wurde wegweisend für die späteren Marschenuntersuchungen in Deutschland.

Sonntags ging die Exkursion zur Insel Sylt, wo unter anderem die Tinumburg, Megalithgräber im Wattenmeer, Museen und Kirche in Keitum sowie Archsum weitere Stationen waren. In Archsum waren in den 1960er Jahren umfangreiche siedlungsarchäologische Untersuchungen zur Geestrandbesiedlung der Eisen- und Wikingerzeit durchgeführt worden. Den abschließenden Höhepunkt der Exkursion bildete der Besuch der Ausstellung im Nordsee-Museum in Husum, wo die niederländischen Experten vom Dr. Uwe Haupenthal, Geschäftsführer des Museumsverbundes Nordfriesland, durch die Ausstellung „Rungholt – rätselhaft und widersprüchlich“ geführt wurden. Die 1362 untergegangene reiche Siedlung beflügelt bis heute die Phantasie und inspiriert nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Künstler, Musiker und Dichter. Die bislang umfangreichste Ausstellung zu diesem Thema stieß auf großes Interesse. 

Interessierte finden weiterführende Informationen auf www.kuestenarchaeologie.de, zur Vereinigung für Warftenuntersuchungen auf www.terpenonderzoek.nl oder auch auf www.groningermuseum.nl.   Link zu Boyens-Medien

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