Ausgrabung: Hundorf

Im Rahmen eines Projektes zur mittelalterlichen Besiedlung und Bedeichung erfolgten zwischen 1989 und 1991 archäologische Untersuchungen an Warften und Deichen.

Um 1000 n.Chr. zergliederten zahlreiche Prielströme die Seemarschen inselartig. Wie paläobotnaische Untersuchungen zeigen, wurden diese häufiger von Sturmfluten überschwemmt.

Aufgrund der Sturmflutgefahr begannen die in das 12 . Jahrhundert in die Seemarschen gekommenen Siedler sofort mit dem Bau hoher Warften (Helmfleth, Hundorf, Stufhusen u.a.) aus Klei. Der Aufbau der Warft Hundorf wurde 1990 in einem archäologischen Grabungsschnitt dokumentiert. Diese wurde im 12. Jahrhundert bis NN +3 m hoch aus Klei aufgewarftet, bald darauf zu den Rändern hin erweitert und wohl als Folge höherer Sturmfluten im 14. Jahrhundert auf NN +4 m erhöht.

Das Wirtschaftsland der Waften für den Ackerbau sicherten niedrige Ringdeiche, die im 12. Jahrhundert nur 1,50 m hoch waren und damit nur den sommerlichen Sturmfluten standhielten. In archäologischen Schnitten wurden mehrere alte Deiche untersucht, darunter der des St. Joahnnis Kooges und Osterhever Kooges.

Träger des Deichbaus waren wirtschaftlich und sozial führende, in Kirchspielen organisierte Bauernverbände, die von einer auswärtigen Adels- und Grunherrschaft unabhängig waren.

Literatur:

Dirk Meier, Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte des Eiderstedter und Dithmarscher Küstengebietes als Teilregionen des Nordseeküstenraumes. Teil 1: Die Siedlungen; Teil 2: Der Siedlungsraum. Untersuchungen AG Küstenarchäologie des FTZ-Westküste = Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 79 (Bonn 2001), Habelt.

Dirk Meier, Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft (²Heide 2007), Boyens.

Das Modell (unten) zeigt eine Rekonstruktion der mittelalterlichen Warft Hundorf und den niedrigen Ringdeich.  Der Untergrund unter der Warft gibt einen Einblick in die Landschaftsentwicklung: Nachdem die Nordsee erstmals das nördliche Eiderstedt im Verlauf des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs erreichte und hier Sedimente (alter Klei) ablagerte, zog sich das Meer wieder zurück. Die Landschaft süßte aus und bildete sich um 500 v. Chr. ein Moor, der als Torfhorizont im Untergrund nachgewiesen ist.

Oberhalb des Torfes lagerte sich infolge wieder zunehmenden Meereseinflusses der junge Klei ab. Um 1000 n. Chr. bildeten sich dann Seemarschen, die zahlreiche Priele durchzogen. Auf dieser Marsch entstanden während des mittelalterlichen Landesausbaus die ersten großen Warften im nördlichen Eiderstedt. Die geoarchäologischen Untersuchungen unter Leitung von Dr. Dirk Meier erbrachten erstmals fundierte wissenschaftliche Kenntnisse der Landschafts- und Siedlungsentwicklung dieser Zeit.