Die Unterelbe

Die Unterelbe mit der Metropolregion Hamburg gehört nicht nur zu den europäischen und globalen maritimen Drehkreuzen sondern weist mit ihren Städten und Dorfstrukturen auch einmalige Kulturlandschaften auf. Wie diese Flusslandschaft zwischen Hamburg und der Elbmündung entstand, welche Naturgewalten sie formten und wie der Mensch Einfluss auf diesen Naturraum nahm ist Thema meines Buches Die Unterelbe. Vom Urstromtal bis zur Elbvertiefung, das 2014 bei Boyens erschienen ist.

Dieses spannt einen Bogen vom Elbeurstromtal der Eiszeit mit den Rentierjägern bis zur technisierten Landschaft Gegenwart. An Hand mehrerer zeitlicher und thematischer Zeitscheiben erläutert das Buch die Geologie, die Landschaftsentwicklung von einem Naturraum von Marschen und Mooren zur Kulturlandschaft. Im frühen Mittelalter wurde die Unterelbe immer mehr zu einem maritimen Verkehrsraum, der in den sich entwickelnden fränkisch-friesischen Fernhandel eingebunden war. Dieser umspannte seit dem 7./8. Jahrhundert erstmals den Nordseeraum. In das Verkehrssystem eingebunden war die Unterelbe, wo Stade und Hamburg zu wichtigen Fernhandelszentren wurden. Ihre Entwicklung verfolgen wir weiter zu den hoch- und spätmittelalterlichen Hafenstädten der Hansezeit und dem Kolonialhandel der frühen Neuzeit. Der stetig wachsende Hamburger Hafen wurde zum Tor der Welt. Küsten- und Fährfahrt ebenso wie der globale Seeverkehr prägen die maritime Verkehrsstruktur.

An der Unterelbe mit ihrer für Gezeitenküsten so typischem trichterförmigen Nordseemündung ist die maritime Vergangenheit der Region zwischen Hamburg und der Nordsee überall spürbar. Die Metropolregion Hamburg als maritimes Tor zur Welt, kleinere Hafenstädte, historische Schiffe, Deiche, Siele, Schleusen und alte Bauernhäuser prägen das Bild dieser universellen Flusslandschaft. Ebbe und Flut bestimmen den Rhythmus der Unterelbe mit ihrer langen Geschichte, deren Naturlandschaften mehrere Naturschutzgebiete bewahren. Diese bilden mit ihren Mooren, Feuchtwiesen, Röhrichten und Süßwasserwatten nicht nur wichtige Refugien der Tier- und Pflanzenwelt, sondern schützen auch den amphibischen Charakter dieses Natur- und Kulturraumes. 

Um die Genese der Unterelberegion zu verstehen, schildert das Buch an Hand einzelner chronologischer und thematischer Zeitscheiben vom Elbeurstromtal bis hin zur Elbvertiefung die eng verbundene Landschaftsentwicklung, Siedlung- und Bedeichungsgeschichte und die Bedeutung der Unterelbe mit der Metropolregion Hamburg für die globale Schifffahrt. Immer wieder bedrohten Sturmfluten das Leben der Menschen in den Elbmarschen und in Hamburg, zerstörten Deiche und überfluteten Dörfer, Felder und Äcker. Manche Kirchspielsorte gingen unter.

Nordsee und Elbe sind jedoch nicht nur zerstörerische Naturgewalten, sondern Wasser verbindet auch die Welt. Bis heute ist die Elbe sowohl eine der bedeutendsten europäischen Wasserstraßen als auch Grenze zwischen den Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen, somit Verbindung als auch Trennung zwischen Süden und Norden. Auf ihr vollzieht sich die regionale und globale Seefahrt ebenso wie der Fähr- und Ausflugsverkehr. An der Schiffbarkeit der Unterelbe hängt aber auch der maritime Pulsschlag des Hamburger Hafens. Seit dem Einsatz des ersten Dampfbaggers 1834 wurde das Fahrwasser der Elbe immer wieder vertieft. Heute mehr denn je steht dessen weitere Anpassung im Fokus verschiedener Interessen zwischen der Hamburger Hafenwirtschaft, der Ökologie und der Fischerei. Ebenfalls die Optimierung der Elbquerung ist bis heute ein politisches Anliegen.

Alles im Fluss – dieses Buch möchte dazu beitragen, die historische Tiefe dieser maritimen Landschaft besser zu verstehen. Wer die Unterelberegion selbst erkunden möchte, dem sei die Karte 1:100.000 der „Maritimen Landschaft Unterelbe GbR“ empfohlen, die viele Ausflugtipps enthält und die über das gleichnamige Büro in Grünendeich bezogen werden kann.

Begleitend zu diesem Buch ist ferner eine mobile Ausstellung Die Unterelbe - Alles im Fluss für das Museum Brunsbüttel erarbeitet worden, die auch im Schwedenspeicher in Stade, in Wedel und in Wischhafen zu sehen war.