Nordfriesland

Das nordfriesische Wattenmeer mit seinen Inseln, Halligen, Sänden und Watten bildet eine einmalige Landschaft. Nachdem im Zuge des nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstiegs das Meer bis um 4500 v.Chr. bis an den Rand der Festlandsgeest vorgedrungen war, zog es sich allmählich zurück. Im Westen entstand eine Barriereküste aus Nehrungen und weit westlich vorgelagerten, saaleeiszeitlichen Geestkernen, wie sie in Resten noch auf Amrum, Föhr und Sylt erhalten sind. Den inneren Bereich des heutigen nordfriesischen Wattenmeeres bedeckten Moore und Schilfsümpfe. Nur  im Westen, im Gebiet um Hallig Hooge, Pellworm und Sylt, erstreckten sich vermutlich seit der vorrömischen Eisenzeit Seemarschen. Wie archäologische Funde zeigen, wurden diese teilweise seit dem frühen Mittelalter besiedelt. Erst mit der Bedeichung der Marschen im 12. Jahrhundert wurde das vermoorte Sieltand entwässert. Aus der Natur- entstand so eine Kulturlandschaft. 

Katastrophale Sturmfluten im 14. Jahrhundert (Große Mandränke/Marcellusflut von 1362) und im 17. Jahrhundert (2. Mandränke/Burchardiflut von 1634) führten zu großen Landverlusten und formten ebenso wie der Deichbau mit der Gewinnung von Kögen die heutige Küste.  

Die Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte des südlichen nordfriesischen Wattenmeeres wurde - basierend auf älteren Forschungen von Dr. Albert Bantelmann und dem Nordstrander Bauer Andreas Busch - im Rahmen des Norderhever-Projektes (1977-1981) der Universität Kiel untersucht. Das nordfriesische Wattenmeer ist heute Grabungsschutzgebiet. Das kulturelle Erbe ist ebenso geschützt wie die ökologischen Ressourcen des Wattenmeeres durch den Nationalpark Wattenmeer.

In einem Kartierungs- und Forschungsprojekt zu den Kulturspuren haben wir auf meine Initiative in einer Arbeitsgruppe zwischen 2011 und 2013 die vorhandenen Kulturspuren analysiert und erstmals in einem großformatigen und reich bebilderten "Küstenatlas" (Boyens-Buchverlag), vorgelegt. Dieses Buch gilt bereits heute als das Standardwerk zu diesem Thema.

 

Literatur:

  • Bantelmann, A. 1966: Die Landschaftsentwicklung im nordfriesischen Küstengebiet, eine Funktionschronik durch fünf Jahrtausende. Die Küste 14, 1966, 5-99.
  • Busch, A. 1963: Deicherhöhungen durch sechs Jahrhunderte. Rungholtforschung und Meeresspiegelanstieg. Die Heimat, 70. Jg., Heft 6, Juni 1963, 1-31.
  • Meier, D. 2007: Die Nordseeküste. Geschichte einer Landschaft (Heide ²2007). Boyens.
  • Meier, D. 2008: Schleswig-Holsteins Küsten im Wandel. Von der Eiszeit zur globalen Klimaerwärmung. Kleine Schleswig-Holstein-Bücher 58 (Heide 2008). Boyens.
  • Meier, D. 2010: Weltnaturerbe Wattenmeer. Kulturlandschaft ohne Grenzen (Heide 2010) Boyens.
  • Meier, D. 2012: Naturgewalten im Weltnaturerbe Wattenmeer (Heide 2012). Boyens.
  • Meier, D., Kühn, H. J. u. Borger, G.J.: Der Küstenatlas. Das schleswig-holsteinische Wattenmeer zwischen Vergangenheit und Gegenwart (Heide 2013). Boyens.
  • Müller-Wille, M., Higelke, B., Hoffmann, D., Menke, B., Brande, A., Bokelmann, K., Saggau, H.E. u. Kühn, H.-J. 1988: Norderhever-Projekt. 1 Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte im Einzugsgebiet der Norderhever (Nordfriesland). Offa-Bücher 66 = Studien Küstenarchäologie Schleswig-Holstein Ser. C, Bd. 1 (Neumünster 1988). Wachholtz.