Nordfriesland

Die Landschaftsentwicklung der nordfriesischen Nordseeküste verlief in den letzten fünf Jahrtausenden sehr wechselvoll. Im Verlauf des holozänen Meeresspiegelanstiegs erreichte die Nordsee um etwa 5.000 v. Chr. das heutige Küstenvorfeld der nordfriesischen Inseln. Das Meer drang in der Folgezeit weiter bis zum festländischen Geestrand vor. Mit nachlassendem Meeresspiegelanstieg hatte sich in der Bronzezeit um 1.500 v. Chr. eine Ausgleichs- und Barriereküste im Westen des heutigen nordfriesischen Wattenmeeres gebildet. Nehrungen verbanden hier mehrere alte Geestkerne der Saale-Kalzeit. Östlich dieser nie ganz geschlossenen Barriereküste entstanden Moore. Diese wurden von Jägern und Sammlern der Steinbronzezeit aufgesucht, wie Funde aus dem heutigen Wattenmeer belegen. 

Noch im frühen Mittelalter bedeckten weite Bereiche des heutigen nordfriesischen Wattenmeeres ausgedehnte Moore. Infolge zunehmenden Meereseinflusses waren nur im Westen und im Süden der heutigen Halbinsel Eiderstedt Seemarschen aufgelandet. Hier siedelten Menschen zunächst in Flachsiedlungen bevor höher auflaufende Sturmfluten den Bau von Warften erforderten. Dicht besiedelt waren auch die Geestkerne der Inseln Amrum, Föhr und Sylt. Infolge weiter zunehmenden Meeresseinflusses löste sich die Nehrungsküste mehr und mehr auf. Im Westen des heutigen Wattenmeeres sowie im nördlichen Eiderstedt bedeckten Sedimente von Salzwasserüberflutungen das Moor.

Im Hochmittelalter hatte sich die Bevölkerung so verdichtet, das die Seemarschen wie im Gebiet der Pellwormharde bedeicht wurden. Der Landesausbau zielte vor allem auf die Moorgebiete, die - wie in der Edomsharde - entwässert und für den Getreideanbau kultiviert wurden. Langgezogene Hufensiedlungen mit kleinen Hofwarften mit anschließenden Streifenfluren, wie sie heute noch auf Nordstrand teilweise erhalten sind, kennzeichnen diese Zeit. Im 14. Jahrhundert verursachten schwere Sturmfluten wie die Zweite Marcellusflut von 1362 große Landverluste. Zahlreiche Kirchspiele, darunter das später sagenhaft verklärte Rungholt in der Edomsharde, gingen unter. Das ehemalige Kulturland bedeckten Sedimente. Über diesen wuchsen die heutigen Halligen auf. Einige von ihnen verschwanden infolge von Sturmfluten wieder, während andere - wie Ockholm - an das nordfriesische Festland angedeicht wurden. Weitere Landverluste traten mit der Burchardiflut von 1634 ein, in deren Folge die hufeisenförmige Insel Alt-Nordstrand auseinander brach. Noch heute bezeugen zahlreiche Kulturspuren in Form untergegangener Warften, Fluren, Deiche, Spuren des Salzforfabbaus oder archäologische Funde von diesen Dramen der Vergangenheit. 

Untergegangene Warft im Wattemeer mit Fluren. Foto: Walter Raabe

 

Meine Bücher Der Küstenatlas, Die Halligen und über die Insel Sylt berichten detailliert und  visuell anschaulich auf wissenschaftlicher Basis mit vielen Grafiken und Fotos über die historische Küstenentwicklung der nordfriesischen Uthlande und schlagen eine Verbindung zur Gegenwart in Zeiten eines verstärkten Meeresspiegelanstiegs. Bis heute ist die landschaftliche Entwicklung Nordfrieslands nicht abgeschlossen, um deren Prozesse besser zu verstehen, ist die Kenntnis der Vergangenheit notwendig.